Managementerfahrung von BMW im Einsatz für Flüchtlinge

Karl-Heinz Theis (links) und Fritz Hartig (rechts) mit Mohammed, der ohne Eltern mit seinem Bruder aus Syrien geflohen ist.

Olching, 17. Juni 2016. Zwei ehemalige Manager der BMW AG koordinieren jeweils eine Flüchtlingsunterkunft in einer Kleinstadt im Münchner Speckgürtel. Das ehrenamtliche Engagement der beiden Ruheständler ist schon fast zum Vollzeitjob geworden. Fritz Hartig und Karl-Heinz Theis aus Olching berichten über eine herausfordernde Tätigkeit, bei der ihnen ihre langjährige Erfahrung als Führungskraft gute Dienste leistet.

Wie funktioniert eigentlich ein Helferkreis, der mit rund 200 ehrenamtlichen Helfern über 400 Asylbewerber unterstützt? Nun, wie jedes mittelständische Unternehmen, möchte man meinen: ein Chef, der vorgibt, wo es lang geht; Führungskräfte, die alles managen, und zahlreiche Mitarbeiter, die die operative Arbeit leisten. Ein Organisationsplan, der oben und unten und das Miteinander abbildet. Und laut gebrüllte Anordnungen, um das unweigerliche Chaos zu übertönen. Schon gescheitert!

Ein Asylhelferkreis agiert ohne jegliche Rechtsform. Er bildet sich spontan aus Menschen, die das Bedürfnis haben, gegenüber Flüchtlingen Menschlichkeit zu zeigen und der Überzeugung sind, dass es nicht reicht, die Schwierigkeiten der Integration zu beklagen, sondern dass diese vielmehr aktiv unterstützt werden muss. Menschen aus allen sozialen Gruppen mit unterschiedlichsten Erfahrungen, mit viel oder wenig zeitlichen Ressourcen agieren freiwillig und nur so viel und so engagiert, wie ihre Motivation sie trägt. Das freiwillige Engagement ist die Triebkraft eines Helferkreises; ihr den notwendigen Freiraum zu gönnen und trotzdem gleichzeitig die Kräfte zu bündeln und auf gemeinsame Ziele und Aktivitäten auszurichten ist die Kunst, einen losen Helferkreis zu koordinieren.

Kein Masterplan regelt, welche Unterstützung ein Asylhelferkreis anbietet und wie er das zu organisieren hat. Keine Vorschrift regelt, welche Rechte und Pflichten er hat, wie er gegenüber den Asylbewerbern auftreten darf und wie die Zusammenarbeit mit den Behörden funktionieren soll. Alle strukturellen Elemente entwickeln sich eher spontan und organisch, aus dem Engagement und dem Können Einzelner heraus. So wird einer Sprecher nach außen, der Andere organisiert die Kleiderkammer, der Dritte koordiniert die Hilfsangebote in “seiner” Unterkunft. Bewusst wird hier nicht “geführt”, vielmehr wird “koordiniert”; ein Unterschied, der nicht nur sprachlich gemeint ist. Anerkannt wird die Funktion und Leistung ausschließlich dadurch, dass die anderen Helfer auf den Koordinator hören und ihn akzeptieren.

So bietet der Asylhelferkreis Olching zurzeit folgende Unterstützung für die Asylbewerber an: Paten, die Orientierung zum Leben in Deutschland geben, Behörden- oder Arztbesuche begleiten, bei der Job- und später auch der Wohnungssuche helfen; Kinderbetreuung, um den Kindern Geborgenheit zu geben und damit sie lernen wieder zu spielen, und um den Eltern etwas Freiraum zum Deutschlernen zu gewähren; Hausaufgabenbetreuung für die Schulkinder, um die zusätzlichen Probleme, die aus dem Deutschverständnis resultieren, zu mindern; Deutsch-Sprachtraining für die Erwachsenen, um die professionellen Deutschkurse zu unterstützen; die Einrichtung einer Kleiderkammer, um gespendete Kleidung, Geschirr und andere Sachspenden fair zu verteilen; einen Fahrradservice, bei dem sich Asylbewerber verkehrstüchtige Fahrräder mieten können; Sportangebote, um sie neben der körperlichen Fitness auch am örtlichen Vereinsleben teilhaben zu lassen; und viele weitere Angebote wie Jobberatung, Hebammenvermittlung, Dolmetscherservice, Bewerbungscoaching, Einrichtung von WLAN und vieles mehr.

Viel zu organisieren! Da aber in einem Helferkreis ohne Rechtsform die klassischen Führungsinstrumente eines Unternehmens wie Aufbauorganisation, Führungsstruktur, Disziplinierung, Anordnung, Richtlinien usw. fehlen und auch nicht akzeptiert werden würden, lernt man, gänzlich anders ohne Machtinstrumente zu führen: durch Vorbild, Motivation, Freiräume, Vernetzung… Dies wird zwar auch in fortschrittlichen Unternehmen gefordert und teilweise sogar gelebt. Hier geht es aber ausschließlich so!

Die Autoren waren beide während ihrer Berufszeit Führungskräfte bei der BMW AG, einem Unternehmen, das schon immer soziale Verantwortung und eine wertschätzende Managementkultur als primäre Unternehmensziele sieht und zu seiner gesellschaftlichen Verpflichtung steht. Es eint sie die Überzeugung, sich jetzt im Ruhestand sozial zu engagieren und den Helferkreis, den sie mit aufbauen, mit dem ausschließlichen Einsatz der oben genannten Ansätze zum Erfolg zu führen. Darüber hinaus kann es aber auch für Firmen sehr gewinnbringend sein, wenn diese ihren Mitarbeitern auch in der aktiven Zeit grundsätzlich Freiraum für solch ein soziales Engagement einräumen, um damit von derartig erweiterten Führungsfähigkeiten wiederum zu profitieren. Gesellschaftliches Engagement ist bereits ein natürlicher Bestandteil in der persönlichen Zielvereinbarung der meisten Führungskräfte bei BMW. So ist es kein Zufall, wenn aktive und ehemalige Mitarbeiter sich in den verschiedensten Rollen der Flüchtlingsarbeit wiederbegegnen.

 

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Helferkreis Asyl Olching
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