Fakten gegen Vorurteile

Diese vom Bayerischen Flüchtlingsrat herausgegebene Argumentationshilfe „Flüchtlinge sind an allem schuld“ konfrontiert die gängigsten Vorurteile, Vorbehalte und Wissenslücken über geflüchtete Menschen mit nüchternen Fakten:

BEHAUPTUNG/VORURTEIL: Flüchtlingswellen strömen nach Deutschland
FAKT IST: Rund 60 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht, ein Großteil flieht innerhalb der eigenen Landesgrenzen. Hauptaufnahmeländer von Flüchtlingen sind derzeit die Türkei, Pakistan und Libanon. In Deutschland wurden 2015 insgesamt 1 091 894 ankommende Flüchtlinge registriert. Die tatsächliche Zahl der Asylanträge wird aufgrund von Fehl- und Doppelregistrierungen sowie Weiterwanderungen in andere EU-Länder deutlich niedriger sein. Bayern ist entsprechend seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit für 15,52 % dieser Flüchtlinge zuständig, das waren 2015 etwa. 150 000 Menschen. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl lag Deutschland bis September 2015 als Antragsland an vierter Stelle in Europa.

BEHAUPTUNG/VORURTEIL: Flüchtlinge kommen überwiegend aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland
FAKT IST: Krieg und Verfolgung lassen vielen Menschen keine andere Wahl als die Flucht. In Deutschland kamen deshalb im Jahr 2015 zwei Drittel aller registrierten Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten Syrien, Irak und Afghanistan. Selbst unter den Flüchtlingen aus den Balkanstaaten, denen massenhafter Asylmissbrauch vorgeworfen wird, gibt es viele, die gute Fluchtgründe haben: viele von ihnen sind Roma, die massiv diskriminiert werden, körperliche Gewalt erfahren und unter existenzieller Not leiden.

BEHAUPTUNG/VORURTEIL: Flüchtlinge werden in luxuriösen Hotels untergebracht
FAKT IST: Bayern ist extrem streng in der Auslegung des Asylbewerberleistungsgesetzes. Während der Zeit des Asylverfahrens und der Duldung müssen Flüchtlinge monate- und jahrelang in überfüllten und oft heruntergekommenen Sammellagern, ehemaligen Kasernen und Containern leben. Die Zustände dort sind oft belastend: Isolierte Lage, beengte Räumlichkeiten und fehlende Privatsphäre. Zudem erhalten sie nur Sozialleitungen unter Hartz IV-Niveau, die anfänglich nur als Sachleistungen gewährt werden, eine medizinische Notversorgung und haben keinen Anspruch auf einen Sprachkurs.

BEHAUPTUNG/VORURTEIL: Flüchtlinge nehmen den Deutschen die Arbeitsplätze weg
FAKT IST: Flüchtlinge unterliegen in den ersten drei Monaten ihres Aufenthalts einem strikten Arbeitsverbot. Selbst wenn sie anschließend eine Arbeitserlaubnis bekommen, gelten für sie spezielle Einschränkungen, sodass die Wenigsten eine Arbeit oder Ausbildung aufnehmen können. Flüchtlinge aus „sicheren Herkunftsstaaten“ haben ein generelles Arbeits- und Ausbildungsverbot.

BEHAUPTUNG/VORURTEIL: Eine Flüchtlingsunterkunft führt zu steigender Gewalt und Kriminalität in der Region
FAKT IST: Der Anteil der straffälligen Personen unter den Flüchtlingen ist genauso hoch wie der unter Deutschen. Aber es ist für Flüchtlinge leichter straffällig zu werden, da für sie Sondergesetze bestehen: sie unterliegen für die Zeit in der Erstaufnahmeeinrichtung der Residenzpflicht und dürfen sich legal nur in dem Landkreis oder der kreisfreien Stadt bewegen, in der sie untergebracht sind. Verstöße gegen die Residenzpflicht gelten als Straftaten und können mit Geld- oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr geahndet werden.

BEHAUPTUNG/VORURTEIL: Es kommt durch Flüchtlinge zu Überfremdung in der Gesellschaft 
FAKT IST: Das ist eine Argumentation, die aus der nationalsozialistischen Ideologie stammt. Sie ignoriert, dass die Geschichte der Menschheit eine Geschichte der Migration ist und auch Deutschland eine jahrhundertelange Migrationsgeschichte hat. Und sie verletzt die Grund- und Menschenrechte eines jedes Einzelnen: Niemand flieht ohne Grund und es ist ein Gebot der Menschlichkeit, Menschen in Not Schutz und Aufnahme zu gewähren.

BEHAUPTUNG/VORURTEIL: Flüchtlinge verursachen den deutschen Steuerzahlern hohe Kosten
FAKT IST: Ja, Flüchtlinge zu schützen kostet Geld. Dabei darf nicht vergessen werden, dass das Recht auf Asyl ein Menschenrecht ist und wir somit aus humanitären und völkerrechtlichen Gründen verpflichtet sind, diese Kosten zu tragen. Aber es greift zu kurz, Flüchtlinge nur als finanzielle Belastung zu sehen. Denn viele der hier ankommenden Menschen sind motiviert, qualifiziert und wollen arbeiten, wenn sie denn gelassen werden. Durch die Integration in den Arbeitsmarkt werden sie zu Steuer- und Rentenzahler_innen und zahlen ein Vielfaches dessen zurück, was wir aus Steuermitteln für sie ausgegeben haben.

Quelle: Bayerischer Flüchtlingsrat www.fluechtlingsrat-bayern.de
Stand: Februar 2016
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